Jeden Tag besonders- einfach Aldi wohnen

Ach Berlin,

du Stadt der vielen Gesichter, du unverwüstliche Wankelmut. Weißt du noch wie’s früher war? Einst warst du Heimathafen von Kultur, Trägerin von Salons und sogar ein Zentrum europäischer Aufklärung, damals zur Zeit der französischen Revolution. Auf Augenhöhe warst du mit Wien und Weimar. Wetteiferste um Künstler, Architekten und Gelehrte. Von Köpfen wie Schiller, Gilly und Fichte inspiriert und von Dichtern, sogar Komponisten gelobt. Denn du warst wohl wirklich „ein heiterer, freier leichter und geselliger Ort, wo man leben kann, wie man will.“ (W. Maximillian von Goethe 1817) Und du wärst mehr als eine Stadt gewesen, laut Heine. Du hättest den Ort dazu hergeben, wo sich eine Menge Menschen, und darunter viele Menschen von Geist, versammeln, denen der Ort ganz gleichgültig sei. Hast Kriege überlebt, Fürsten, Kaiser und Könige überdauert. Hast dich stets erneuert, reformiert und modernisiert. Sogar eine Teilung hast du getragen und dich wieder mit dir selbst versöhnt, selbst einen Anschlag überstanden. Du bist vielseitig und nicht kleinzukriegen. Im Gegenteil, als 3,5 Millionen-Einwohnerstadt gehörst du zur Top 5 Europas größter Metropolen und belegst den ersten Platz im eigenen Land. Du wächst und wächst… aber wohin? Schneller, immer schneller… Kannst du wirklich das Tempo halten? Bist du mit deinen knapp 781 Jahren nicht etwas müde? Als alte Dame hast du noch viel zu bieten. Aber ich frage mich, wirst du langsam blind und taub? Merkst du noch, was mit dir geschieht?

„Arm aber sexy“ war seit 2003 dein Motto. Lässt dich das nicht insgeheim erröten? Und nun, wo du so viele Menschen erträgst, ca. 20.000 neue Wohnungen pro Jahr mehr benötigst, damit du nicht an Begehrtheit verlierst, soll es bis 2030 „arm und discount“ werden? Es heißt, durch Aldi-Nord sollen insgesamt 2000 Wohnungen in dir entstehen. Und ob nun Studenten, Pflegeheime oder Kindertagesstätten dort einziehen, sei noch völlig offen. Nein, es heißt sogar, es wäre dem Unternehmen selbst gleich. Hauptsache die Zahlen würden stimmen. Zahlen. Welche Zahlen, wenn man bedenkt, dass diese 2000 Wohnungen an Aldi-Filialen selbst angeschlossen werden sollen? Leben wir dann ganz offen damit, dass Mieter- und Kundenzahlen das Gleiche sind?… So überfordert bist du schon, dass deine Bauherrn Händler von Schokolade, Kaffee und Dosenbier sind. Berlin, altes Mädchen, wer übernimmt dann die restlichen für 2030 prognostizierten 192.000 neuen Wohnungen? Norma, Netto, Lidl und Penny? Wie soll’s mit dir weitergehen Berlin?

Morgens und abends durch die Mengen laufen, vorbei an kunterbunten Häuserfronten, mit Logos und immer wechselnden Prospekten, umzäunt von Gehwegen, die nur nicht überdachte Gänge sind. In ihnen laufen sie, wir, du und ich, die Kunden xyz und bringen ihre Kinder im Haus selbst zur Obhut, freuen sich, dass sie in der Aldi-Kita untergekommen sind. Dort können die Kinder auch schon lernen, wer die Ernährer, Verwalter, zukünftigen Arbeitgeber und vorallem ihre Herren sind. Zum Mittag gibt’s einen Ursi Schoko-Drink und das Angebot des Tages, vielleicht sind’s Kiwis für 0,18 € pro Stück, weil „jeder Tag besonders- einfach Aldi“ ist. Und Papa oder Mama xyz, wozu Namen wenns Zahlen sind, macht sich auf zum Arbeiten im Aldi-Pflegeheim, wo heute Workout dran ist. Zum Glück bietet die Aldi-Fitnesswelt auch gleich die passenden Übungen und Videos für ihre Produkte an, finanzierbar durch Paybackpunkte versteht sich. Und weil glücklich sein auf den Punkt gebracht auch mit der Deutschland Card drin ist, kann sich Student xyz mit seinen Kommilitonen zum Lernen daheim und auf einen Kasten Meister Fels für 4,99€ statt 6,40€ treffen, weil ihm der Mietvertrag diesen Rabatt automatisch gewährt. Netto macht’s möglich, weil man sich nicht mehr überraschen lassen muss, sondern, weil’s „einfach besser“ ist.

So oder so ähnlich, altes Mädchen?

 

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Teufel ins Haus

Sitze mit einem handzahmen Teufel in der S-Bahn, billig zu haben war er. Für nur 5 Euro konnte ich ihn mitnehmen. Er wird verschenkt. Eine Stunde Fahrt musste ich auf mich nehmen, mit Fremden kuscheln- mit ungezählt vielen in dieser 3,5 Millionen-Einwohner-Stadt. Alles hat schließlich seinen Preis, auch wenn der Wert das Maß verliert. Und auch auf der Fahrt von Pankow nach Kreuzberg sind recht viele Seelen auf einem Haufen. Von keiner Seele betört, schweigt er jedoch ganz kraftlos. Er ist rot, starrt hohl und ohne Feuer zurück. Vielleicht auch, weil er gegen diesen Sog im Abteil sowieso nicht ankommen würde. Der Boden klebt, die Fenster sind beschmiert und gut zwei Drittel starrt auf Displays. Wie Geister steigen sie ein und aus, neue kommen, alte gehen. Vielleicht bestellt sich der ein oder andere einen Teufel ins Haus, oder verkauft den alten, wenn er genug Dreck geschluckt hat. Werben in vollen Zügen. Oder er fragt sich, wer hier eigentlich wen verführt, ob immer Teufel drin ist, wo Teufel draufsteht. Oder er ahnt, dass er bald für seinen neuen Herrn schluckt und schluckt und schluckt. Ach, Mr. Devil, versklavt kreierte Höllenbrut, du schläfst ja nur, bis man dich weckt. An der kurzen Leine gehalten, durch die Strom fließt, und wenn du nicht mehr lärmst, tauscht man dich aus.

mde

 

Schnee

Während Mausi einen virtuellen Kuss bekommt und Albert Camus von belächelnswerten Anfängen der meisten großen Gedanken und Taten spricht, stecken wir fest, er, ich und all die anderen. Aber nur auf ihn kann ich meine Augen werfen, nicht, weil er recht ansehnlich ist, zwar unterdurchschnittlich groß, nicht sonderlich auffällig, wenn man ihn auf der Straße trifft aber er wirkt echter, wirklicher auf mich als alles andere hier, wohl auch, weil ich ihn anstarren muss, meinen Kopf nicht wegdrehen kann, ihn fast berühren und doch nicht bewegen könnte. Das Licht flackert, aber auch im Halbdunkeln sehe ich seine Konturen, wie er nervös seine Hände reibt, versucht seinen schmalen Schultern und Armen Kraft zu schenken, sich gegen seinen Sitznachbarn und gegen Beine, Hintern und Taschen vor seinem Gesicht zu behaupten. Er kämpft. Umringt von Schweiß, von Fremden, seinem eigenen. Langsam dringt auch dieser Geruch von verbranntem Dönerfleisch in seine Nase, bringt ihn langsam um den Verstand und trotzdem erinnert er sich wohl an seine Atemübungen und schließt die Augen. Sein Therapeut wäre stolz auf ihn, würde anerkennend die linke Braue hochziehen und zweimal mit dem Federhalter auf sein Notizheft tippen. Eine Frau mit ernster Miene, die er wegen ihrem so widersprüchlich frohen Kleid Frau Pünktchen nennen will, holt mithilfe ihres Charmen-Fächers schwungvoll alles aus dem Duftgemisch heraus. Ihm wird übel und kleine weiße Flocken tanzen vor seinen Augen. Sie bewegen sich langsam und unregelmäßig von rechts nach links, von unten nach oben und verdichten sich zu einer Schneelandschaft. Alle Farben sind verschwunden, er hört nichts mehr und er spürt wie sein Shirt durchnässt, seine Knie sich in das Plexiglas bohren und ein Schrei aus seiner Lunge entweicht und im Halse stecken bleibt. Er rollt hin und her und schnürt ihm die Luft ab, seine Pupillen verschwinden, das Weiß in seinen Augen strahlt mich an. Ich würde ihm helfen, wenn ich denn könnte. Doch auch ich bin gleich im Schnee versunken.

Wohin

Als die Sonne starb, an Tagen wie diesen

Als in den Sälen tanzten die Riesen,

hast du den Ton gestohlen, den Klang, die Musik.

Versteckt, zerrissen und den Sturm begrüßt

Den du ernten und nicht säen solltest.

Dich gewappnet, ersehnt den Aufstieg,

Und, weil du die Stille hast mit Streit gesüßt,

stützt alles ein – Mauern und Fenster,

die du schmücken und bemalen wolltest.

 

Und all‘ die dir so fremden Gespenster,

Wirken blasser noch als deine Haut.

Totgeboren, vor der Zeit ergraut,

willst du verbrennen, was du nicht erbaut.

Diese blinden Schachpartien in langen Zügen.

Sie liegen weit zurück und doch erst eben,

Dort draußen, inmitten der Herde

fällt der Gnadenschuss.

Der Reiter gefallen, der Turm nichts als Erde.

Tote schwarze Königin.

 

An Tagen wie diesen, wo die Sonne weichen muss,

tanzen die Riesen im Saal herum, und ganz daneben

lärmt die Musik, der Klang vermischt die Farben

verklärt Wort und Rede zu buntgrauen Lügen.

Die du leben und nicht hören wolltest.

Verloren und nackt stehst du da

in deinen Trümmern und allmählich wird dir klar,

es waren Kerker, die du bemalen solltest

– wo gehst du nun hin?

Sie tanzt

In einer Traube aufgereiht, dann abgepflügt, zentrieren sich die Massen. Sie wollen den Samstag preisen, die Woche abschütteln, vielleicht auch einen Teil ihrer Selbst. Von hinten schreien und kreischen drei, vier Träubchen, vorn qualmt eine Reife, und Schritt für Schritt purzeln alle hinein. In den Schlund der Heiterkeit, in die Höhle der ohrenbetäubenden Einsamkeit, die von Gitarren, Bass, Syntesyser und Gesang begleitet wird, durch mehrere Räume mit gleichem Bild, die ihr erst Gehör schenken, sie offensichtlicher macht, weil in ihnen dicht gedrängt Traube an Traube Gesellschaft sucht und keine findet.

Sie reiben sich auf, reiben sich warm, tauschen Blicke, Scheiß und manche Speichel aus, und reden. Sie reden, um nichts zu sagen, reden, um nichts aussagen zu müssen. Und sie reden, um die Einsamkeit größer, immer größer zu machen, durcheinander, laut aus den Lungen, aus dem teifsten Verborgenen ihrer Welt. Und sie nicken und lächeln, gestikulieren, laut aber unverständlich. Ein paar Wortfetzen fliegen durch die Räumlichkeiten, können sich durch die Luft, die voll Qualm wie Wände auf sie eindrückt, kämpfen. Doch sie platzen. Platzen anstatt ihrer. Und auf dem Boden kleben die letzten Reste- zertrampelte Lettern in Pfützen von Bier, Redbull und anderen Flüssigkeiten. “Prost.“ Drei stehen sich gegenüber und torkeln im Takt eines 90-er-Hits mit, grölen mit dem Chor mit, während sich eine Kette in den nächsten Raum bewegt.

Er spielt gelangweilt Pop- und Rocksongs, sie schwingt ihren Körper im Takt des vorherigen Raums entgegen. Sonst hätte man sie übersehen aber sie ist auch nicht wirklich hier. Ganz weit fort und doch ganz angefixt, will auffallen und fässt sich in die Haare, an die Brust, gleitet immer wieder über ihr Gesicht. Vielleicht, weil es sonst keiner tut und wenn doch, dann der Falsche. Er steht daneben und nickt zu Rock- und Popmusik.

„Sie warten.“

Gespapelte Spanplatten, von Schränken und Vitinen. Ein alter Rechner, kaputt und ohne Kabel. Mäntel, Blusen und Stofffetzen schimmern durch grünblasse Plastiksäcke. Und neben so vielen gesammelten Dingen leuchtet eine alte Nähmaschine hervor. Zurück bleibt nichts. Keine Vase, keine Briefzeile. Nichts?

Vier fremde Männer tragen alles ab, entkernen das Mobiliar, stopfen Kalender, Aktenordner und Bilderrahmen in schwarze Abfallsäcke. Sie sprechen gebrochen miteinander, sind ganz ungeübt dabei, jedes einzelne Fragment ihres Lebens einzutüten. Einer staunt verständnislos auf die Frage, was sie hier tun und ob sie nun weit fort ist. Einer nickt wiederholt, strahlt mich an und sagt: „Wir räumen. Zwei Stunden. Schnell.“ Ich lasse den Haustürschlüssel in meiner Hand herumwandern, bis er mir entgleitet und auf den Boden fällt. Einer hebt ihn auf, drückt ihn mir in die Hand und lächelt, dreht mir den Rücken zu und läuft zum Fahrstuhl, um weitere Bretter hineinzustellen. Bis ich endlich meine vier Wände betrete, vergeht Zeit. Zweimal läuft hinter meinem Rücken einer der Männer vorbei und füllt den Fahrstuhl. Sie nicken sich zu und gestikulieren, verstehen sich anders nicht. 

Es kam ganz ohne Vorwarnung. Kein Krankenwagen, keine Sirenen. Aber vielleicht war ich auch nur am falschen Ort. Ich will mich an das letzte Mal erinnern, dass sie mir über den Weg lief, als ich gehetzt nach Hause lief, sie an mir vorbeiging, ruhig, stolz und den Blick auf etwas gerichtet, was wohl nur sie verstand. Nicht einmal erkannte sie mich, als ich sie im Bus traf, sie sehnsuchtsvoll aus dem Fenster starrte, keine Notiz von mir oder den anderen Menschen nahm und auf einer Bank saß, mit den Tauben sprach im Park nebenan- diese Momente, schießen mir durch den Kopf.

Ich ziehe mir die Schuhe aus, hänge meinen Mantel an die Garderobe und begrüße die Katze. Mechanisch bereite ich Tee vor. Ein Löffel nach dem anderen wandert in die Kanne. Während ich auf den Wasserkocher warte, denke über die Welt nach, die sich innerhalb unseres Wohnhauses aufgetan hat. Über die Welt, in der sie nicht mehr daheim ist und auch nie wirklich war. Über die vielen Male, als sie direkt vor meiner Tür stand oder ich vor ihrer. Und ich erinnere mich daran, wie ich ihr Reich betrat, ihre Küche, ihr Wohnzimmer, ihr Schlafzimmer mit der alten Nähmaschine. Wie sich meine Katze an mir vorbeischlängelte, um durch ihre Tür hindurchzutapsen, sich auf ihrem Bett breit machte, um ihr ein Lächeln zu entlocken, dass ich nie wieder sehen werde. Strahlend wie unschuldige Kinderaugen lud sie mich ein, einen Tee mit ihr zu trinken, gab dem Kater Wurststücken und erzählte mir Geschichten über ihre Jugend, ihre Familie und über ihre zwei Katzen, die sie seit Jahren vermisste. Dabei zeigte sie auf die vielen Bilder an den Wänden, brachte zwei Kissen aus dem Schlafzimmer, auf dem sie abgebildet waren und streichelte sie. Dann wurde sie mit einem Male sehr ernst, denn sie erinnerte sich, dass sie etwas Wichtiges vergessen hatte und rieß die Balkontür auf, schaute schuldbewusst auf die vielen Vögel, die sich auf dem Vogelhaus, den Zweigen und Kästen lärmend versammelt hatten. „Es tut mir leid. Gleich“, zwitscherte sie zurück. Dann schritt sie zügig in die Küche und kam mit einem halbgefüllten Vogelfutterbeutel zurück. Als sie die Tauben, Amseln und Meisen beobachtete, die sich über diese Gabe hermachten, wurde sie wieder fröhlich, ihre Züge wurden wieder weich. Erst als sie realisierte, dass ich noch immer auf ihrem Sofa saß, mit dem Kater auf dem Schoß, fror ihr Gesicht ein.

Wenige Tage später klingelte sie das erste Mal an meiner Tür. Es war ein Samstag gegen 6 und während ich verschlafen zur Tür torkelte, klopfte sie mehrfach mit der einen Hand, klingelte mit der anderen. Aufgeregt rieß sie ihre Augen auf, als ich ihr öffnete und nahm meine Hand, hielt sie ganz fest und sprach: „Es ist schon sehr spät. Sie warten.“ Verwirrt starrte ich sie an, weil ich erst nicht begriff. Versuchte ruhig auf sie einzureden, fragte, wer wartet und worauf. Sie ließ meine Hand los, holte einen 5-er aus ihrer Tasche und drückte ihn mir an die Brust. Dabei sah sie mich scharf an, bis ich ihn annahm und ich sie fragte, ob ich ihr eine bestimmte Sorte mitbringen sollte. Wieder wurde ihr Gesicht ganz weich, sie lächelte, schüttelte den Kopf und ging zurück zu ihrer Tür, welche sie hastig hinter sich schloss. Während ich noch eine Weile im Türrahmen stand, stellte ich mir vor, wie sie hinter ihrer Tür die Balkontür aufriss, mit den Gästen dort sprach und ihnen gut zuredete, weil sie sehr bald bewirtet werden würden.

Es dürften drei Jahre gewesen sein, in denen sich das wiederholte, so oder etwas anders. Denn manchmal stand ich bereits vor ihrer Tür mit mehren Beuteln in der Hand, dann tranken wir gemeinsam Tee und wieder erzählte sie mir die gleichen Geschichten von ihrer Familie, ihrer Jugend, ihren Katzen. Gelegentlich begegnete ich einer Pflegerin im Fahrstuhl oder im Hausflur, bevor oder nachdem sie bei ihr war. Wenn noch keine da war, dann stand sie schon wartend an ihrer Tür, wer weiß wie lange, und sie freute sich, wenn ich solange mit ihr sprach, mit ihr Tee trank,  ihren Geschichten lauschte, wenn ich zufällig im richtigen Moment heimkam. Manchmal habe ich mich damals gefragt, ob sie in ihrer Welt ein Zeitmaß besaß, ob sie nur nach dem Sonnenstand entschied, wann es der rechte Moment war, hinauszugehen, ihre Lieblinge zu füttern oder im Türrahmen zu stehen, um ihre Diabetespritzen zu bekommen. Oft habe ich mich gefragt, warum sie sonst keiner besuchte, warum ihr Sohn nur ein einziges Mal vor ihrer Tür stand, ihr zum Abschied die Hand gab und „Tschüß, Mutti“ sagte, ohne Umarmung, ohne sich auf dem Weg zum Fahrstuhl nochmal umzudrehen. Aber jetzt verstehe ich es, erinnere mich daran, wie es ist, dabei zuzusehen, wenn ein Mensch das Hier verlässt, schleichend in die unbekannte Leer tritt, jeden Tag ein bisschen mehr.

Nur lauter Krach, vielleicht ein, zwei Tage danach, tobt jetzt durchs Treppenhaus, durch den Flur und durch die Wände. Mit der Kanne Tee und einer Tasse setze ich mich auf den Balkon. In der Ferne schwirrt ein Vogelschwarm und kreist um die Häuser. Es ist schon spät und nun warten sie umsonst.

 

sie ziehen durch die städte

durch die städte wandern sie und brüllen. bedrohlich wird es nur, wenn man sich nicht über ihr verhalten informiert. wikipedia kann hierbei helfen:

sie erbeuten was sie kriegen. ernähren sich von käfern, maden, kriechern … und vögeln. wenn sie was reißen können. maße und gewicht sind innerhalb des großen verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich. in vielen gegenden sind sie allerdings ausgestorben. meist werden sie als nächtliche jäger angesehen, doch wurde bisher keine generelle vorliebe für bestimmte jagdzeiten gefunden. der zeitpunkt einer jagd hängt wohl mit der verfügbarkeit der beutetiere in ihrem jagdrevier zusammen.

grundsätzlich kann man jedoch zwei prinzipiell verschiedene jagdweisen beobachten: die anschleichjagd und die eher passive lauerjagd. anschleichjagden gehören zu den häufigsten jagdmethoden dieser spezies. denn sie sind zwar schnell im antritt und überwinden mit wenigen sätzen etliche meter, doch schon auf mittleren distanzen sind ihnen die meisten an geschwindigkeit überlegen. die gewieften versuchen daher so nahe wie möglich unbemerkt an ihr opfer heranzukommen, um den abstand vor dem angriff zu verkürzen. bei der anschleichjagd erbringen sie oft enorme leistungen. in wüsten gegenden beispielsweise müssen sie sich über enorme strecken fast ohne deckung an ihre opfer heranschleichen. die reine lauerjagd, bei der der jäger auf sein opfer wartet, ist bei ihnen ebenfalls eine häufig zu beobachtende jagdmethode. jene, die den tag auf erhöhten ansitzen verbringen, können mit bemerkenswerter geduld herden an sich vorbeiziehen lassen, bis sie geeignete exemplare ausgemacht haben.

wenn der ast, auf dem sie sitzen, nicht zu hoch ist, können sie direkt von oben auf ihre beute springen. meistens verlassen sie aber, um die potenzielle beute nicht aufzuschrecken und keine konkurrenz zu riskieren, vor dem eigentlichen angriff ihren posten und nähern sich vorsichtig, im toten winkel, an das auserwählte opfer heran und suchen deckung zum beispiel hinter bäumen oder − wenn vorhanden − anderer vegetation und deckungsmöglichkeiten. dabei können sie nach sehr langer wartezeit noch einmal dieselbe zeit am lauerstandort zubringen, um auf solche zu warten, die sie von oben über längere zeit beobachtet haben. es liegen bislang keine beobachtungen oder berichte darüber vor, ob sie sich ihre opfer bereits zu beginn der anschleich- oder auch ansitzjagd auswählen oder ob sie es mehr dem zufall überlassen, welches exemplar einer gruppe sie wollen.

gelegentlich stöbern diese räuber ihre beute auch einfach beim umherstreifen im revier auf und überraschen sie. abseits liegende oder sich reglos drückende beute wird oft rein durch zufall im vorübergehen entdeckt, und nicht gezielt angeschlichen.

notfallls nehmen auch mit aas vorlieb oder vertreiben schwächere räuber von ihrem riss. sie fressen den riss von der unterseite her an und nach dem mahl bedecken sie die beutereste, wenn sie am boden liegen. sie sind typische einzelgänger, jedoch überlappen sich die steifgebiete teilweise erheblich. das territorium wird markiert − optisch beispielsweise durch kratzspuren detektierbar− explizit gegen gleichgeschlechtliche artgenossen verteidigt, unter drohverhalten und notfalls kampf.

wo sind sie ausgebrochen? :

quelle und weitere informationen unter:

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